Silvana Direkt
28. April 2009

Milchmädchenrechnungen

Es ist eine schockierende Tatsache: Inflationsbereinigt ist Milch im Moment billiger als kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Kein Wunder, dass die Milchbauern langsam Existenzängste beschleichen. Manche Funktionäre bringen nun auch wieder die Milchquote ins Spiel, die die EU in den nächsten Jahren endlich abschaffen wird. Dass ich von diesen Forderungen nichts halte, habe ich hier im März schon einmal geschrieben. Der Populismus der deutschen Landwirtschaftministerin Ilse Aigner in dieser Frage ist ärgerlich.

Tatsächlich hat das Milch-Dumping ganz andere Ursachen als Europäische Regulierungswut. Wegen eines Michpulverskandals kaufen die Chinesen zur Zeit weniger Milch, nach einer großen Dürre liefern Australien und Neuseeland wieder mehr und der starke Euro macht europäische Milch auf dem Weltmarkt teuer. Die Lage auf dem Markt kann sich aber auch schnell wieder ändern – erst vor einem Jahr hatten die Preis ein Rekordhoch erreicht.

So schwierig es für die Landwirte ist – die europäische Politik kann sie nicht vor Angebot und Nachfrage auf den Weltmärkten schützen. Jeder einzelne Kunde allerdings entscheidet, ob er immer die billigste Milch beim günstigsten Preis drückenden Dumping-Discounter kauft, oder ob er auf Qualität aus der Region Wert legt. Hier liegt die Zukunft der Milchwirtschaft.