Silvana Direkt
30. April 2009

Sprechen wir über Kunst

Eigentlich braucht es keinen Anlass, über Kunst zu sprechen. Aber ich tue es heute aus gleich drei.Der erste ist die Eröffnung der Ausstellung 60 Jahre 60 Werke im Martin-Gropius-Bau in Berlin. Sechzig herausragende Arbeiten der Jahre 1949 bis 2009 von deutschen Künstlern feiern den runden Geburtstag der Bundesrepublik. Das ist aus vielen Gründen interessant – tolle Kunst ist zu sehen, und sie ist so präsentiert, dass sie das Denken über diese sechzig Jahre anregen. Muss man sehen.

Anlass Nummer zwei ist eine Nachricht: Der Prager Künstler David Cerny will schon vor dem Ende der tschechischen Ratspräsidentschaft seine umstrittene Installation ”Entropa” aus dem Ratsgebäude der Union in Brüssel entfernen. Das ist sein Statement zum bisher völlig misslungenen tschechischen Vorsitz, gleichzeitig Teil seiner Kunst. Ich finde es spannend, wie Cerny es geschafft hat, mit Klischees und Provokationen anhand eines Kunstwerkes über Europa Kontroversen auszulösen. Das muss man erst mal schaffen.

Drittens möchte ich auf das Buch ”Frauen schön und stark: Frauen von heute über die Schönen der Kunst” hinweisen, das im Februar erschienen ist und in dem unter andern ich mir Gedanken über Europa und den Stier gemacht habe. Keine andere Frau, das haben Mythenspezialisten festgestellt, war nämlich so lange mit Zeus ein Paar wie Europa. Sie sorgte dafür, nicht als One-night-stand in die Geschichte einzugehen. Europa ist nicht schwach, sie hat Zeus fest im Griff. Gustave Moreau, sonst nicht gerade ein Freund der Frauen, macht Europa zur Symbolfigur eines neuen Feminismus, zum Vorbild einer heutigen Generation, die sich nicht scheut, den Stier bei den Hörnern zu packen und gut dabei auszusehen. Mit Carme Chacón, der spanischen Verteidigungsministerin, die ganz selbstverständlich mit Babybauch zum Truppenbesuch geht, oder mit Ségolène Royal hat ein neuer Frauentyp die politische Bühne im Europa der stolzen Europa betreten.