Heute vor 42 Jahren erschoss Karl-Heinz Kurras den Studenten Benno Ohnesorg. Kurras, der nie verurteilt wurde und bis heute in Berlin lebt, ist in diesen Tagen in den Schlagzeilen, weil herauskam, dass der westdeutsche Polizeibeamte für die Stasi spionierte. Der Tod Ohnesorgs war ein Schlüsselmoment der Geschichte der Bundesrepublik. Für eine ganze Generation schien er der Beweis zu sein für einen Staat, der auch vor Gewalt nicht zurückschreckte. Viele junge Leute radikalisierten sich, einige nahmen Ohnesorgs Tod als angeblich politische Rechtfertigung, selbst Gewalt anzuwenden. Die Geschichte schien klar; die Rollen waren verteilt.
Kurras’ nun entdecktes Stasi-Geheimnis verwischt die klaren Grenzen und stiftet Verwirrung. Ein paar Dinge sind in der Diskussion in die Erinnerung gerufen worden: Auch im Westen gab es Stasi-Spitzel. Kurras wurde nicht verurteilt – die Justiz war damals wohl teilweise blind. Die SED-Diktatur hatte überall ihre schmutzigen Finger im Spiel. Und es ist gut, immer wieder der Opfer des Stalinismus zu gedenken. Aber steckte die Stasi hinter Kurras’ Schuss? Vor allem fällt auf, wie leicht eine heute hysterisch anmutende Debatte wieder aufflackern kann. Ich möchte darum heute nur an einen Menschen erinnern, der vor 42 Jahren nicht hätte sterben dürfen: Benno Ohnesorg.










