
Als ich ein Teenie war, war es für kurze Zeit in meiner Heimatstadt Köln und allen anderen Großstädten der westlichen Welt in Mode, in Bars herumzustehen, die gekachelt waren und die Heimeligkeit eines Fleischergeschäfts ausstrahlten. Licht spendeten selbstverständlich Neonröhren, wodurch alles in ein fahles Licht getaucht wurde und Gesichter zu unwirklichen Masken mit bleichen Lippen wurden. New Wave hieß diese Jugendkultur, die Künstlichkeit und Kälte feierte und Natürlichkeit hasste. Also musste auch das Licht möglichst künstlich sein: Glühbirne raus, Neonröhre rein. 25 Jahre nach dieser jugendbewegten Geschmacksverirrung und 129 Jahre nachdem Thomas Alva Edison unter der amtlichen Nummer 223898 die Glühbirne, ‘evakuierter Glaskolben mit einem Kohleglühfaden aus verkohlten Bambusfasern’ zum Patent anmeldete ist es wieder soweit. Doch diesmal sorgt keine geschmacksverirrte Jugendbewegung dafür, dass der guten alten Glühbirne der Saft abgedreht wird, sondern es ist die Bürokratie aus Brüssel, gemeinsam mit der Bundesregierung.
Ab September dürfen Glühbirnen mit 100 Watt in der EU nicht mehr verkauft werden, weil sie zuviel Energie verbrauchen. Bald stehen wir also wieder alle im fahlen Neonlicht. Kein warmes Licht wird mehr die Räume erhellen und mit sanftem Schimmer überarbeitete Gesichter in mildem Schein der Glühbirne weniger müde erscheinen lassen – das Neonlicht kennt kein Pardon und wird alles brutal offenlegen. Doch Kultur basiert auch auf der Gnade der Verhüllung unschöner Tatsachen. Das Licht, mit dem wir unsere Räume beleuchten ist eine elementare Sache. Wird am Ende das kalte Licht die Seelen erfrieren lassen? Werden die durch Energieeinsparung gesenkten Kosten ein Anstieg der Gesundheitskosten durch vermehrte Psychotherapien entgegenstehen? Man weiß es nicht. Ich wäre für friedliche Existenz von Neonröhre und Glühbirne gewesen. Wir brauchen eine gemeinsame Außenpolitik – das weite Feld der Glühbirne hingegen brauchte bisher niemanden, der es bestellt. Wer immer sich das Verbot ausgedacht hat – eine große Leuchte ist das nicht.
Die Technikgeschichte lehrt uns, dass technischer Fortschritt nicht immer kultureller Fortschritt ist: Schon vor knapp dreißig Jahren begann die CD die LP abzulösen. Dann kam MP3. Und obwohl CD und MP3 praktischer in allen Belangen sind, gibt es eine hartnäckige Gemeinde, die auf den warmen Klang einer Schallplatte schwört. Schon jetzt gibt es Hamsterkäufe von Glühbirnen. Wird am Ende dieser ehemalige Allerweltsgegenstand eine heiß gehandelte, knappe Exklusivware? Nein, das hätte man sich wohl nie träumen lassen, dass es Brüssel mal schaffen würde, profane Glühbirnen zu Kulturgegenständen zu machen. Rettet die Glühbirne. Ich bin ganz aus der Fassung und werde jetzt erst mal in den Supermarkt gehen. Glühbirnen kaufen.










