Wahlkampfzeit ist nicht die Zeit des Floretts. Noch nicht mal des Säbels. Wahlkampfzeit ist die Zeit des Presslufthammers – im Lärm der Populisten, die alles platt machen, kommt man kaum noch durch mit Argumenten. Vor allem nicht, wenn es um Managementgehälter geht. In keinem Land wird aus einem antikapitalistischem Impuls heraus so emotional diskutiert wie in Deutschland. Ich verstehe, dass Menschen, die Angst um ihre Zukunft haben, oder gar ihre Arbeit schon verloren haben, Wut kriegen angesichts hoher Managergehälter, Boni und Abfindungen. Dennoch muss es gesagt werden: Wir von der FDP setzen uns für Bürgerrechte ein. Zu diesen gehört auch die Vertragsfreiheit. Dass ich einige Arbeitsverträge und daraus resultierende Boni und später Abfindungen, etwa im Fall von Karl-Gerhard Eick bei Arcandor, für Irrsin halte, möchte ich nicht verschweigen. Dennoch würde ich aus meiner persönlichen Empörung nicht die Notwendigkeit von Staatseingriffen ableiten.
Diese stehen vor unüberwindlichen Hürden: Wie hoch dürfen Gehälter sein? Eine Million, zwei, zehn? Wenn ja, warum genauso hoch und nicht höher oder niedriger? Warum fordert keiner die Deckelung von Fussballer– oder Popstargehältern? Wo soll eingegriffen werden und wo nicht? Nein, staatliche Festlegungen sind immer willkürlich (dasselbe gilt übrigens auch für Mindestlöhne). Deshalb verwundert es mich nicht, dass in Vorbereitung auf den G-20-Gipfel sich die europäischen Regierungschefs nicht auf eine Deckelung der Boni einigen konnten. Wahrscheinlich ist ihnen diese Willkür klargeworden.
Wir Liberale wollen die Hauptversammlung als eigentliche Eigentümerversammlung stärken. Denn das Auskungeln der Managergehälter im Aufsichtsrat ist das Problem. Das sehen wir gerade bei der Post, wo ein gewisses Aufsichtsratmitglied gerade horrende Boni durchgewunken hat. Der Mann heißt Michael Sommer, ist Chef vom DGB und fällt ansonsten vor allem mit ätzender Rhetorik gegen Manager auf.











