Die Quote genießt in der Öffentlichkeit keinen guten Ruf. Gern reißen Männer Zoten über verhärmte, spaßfreie Feministinnen, die das Leistungsprinzip über diesen Umweg außer Kraft setzen wollen. Dabei ist das Prinzip der Quotierung in der Politik in vielen Bereichen gültig, und zwar zu Recht. Politik ist nicht freier Markt (dass umgekehrt der freie Markt möglichst wenig von der Politik reglementiert werden soll, gilt für uns Liberale natürlich ebenso).
Gemeinsam mit den EU-Kommissarin, den anderen Vize-Präsidentinnen des Europaparlaments und den weiblichen Vorsitzenden der Ausschüsse im EP habe ich für die EU eine Quotierung für Spitzenpositionen gefordert: 30 Prozent der Kommissare sollten weiblich sein. Und einer der vier Top-Positionen: EU-Präsident, EU-Kommissionspräsident, EP-Präsident, EU-Außenminister. Angesichts der Tatsache, dass 53 Prozent der Europäer Frauen sind, ist das ein verdammt gutes Angebot. Warum polarisiert die Frauenquote so, während andere Quoten als selbstverständlich hingenommen werden? Da wäre zum Beispiel die geografische Verteilung der Posten. Jedem Land der EU, und sei es Luxemburg, steht ein Kommissarsposten zu. Das ist ebenso eine Quotierung, aber keine, über die man sich aufregt.
Quoten gibt es auch im Bundestag, ohne dass sie so heißen: Jede Fraktion, egal wie groß sie ist, hat gleiches Rederecht. Damit wird den besonderen Minderheitenrechten in der Demokratie Rechnung getragen: Die Mehrheit herrscht nicht über die Minderheit, diese hat – gerade weil sie Minderheit ist – besondere Rechte. Im Bundesrat gibt es ebenfalls eine Quote: Jedes Land, egal ob Berlin oder NRW hat ebenfalls gleiches Rederecht. Angesichts dieses völlig selbstverständlichen Umgangs mit Quoten in der Politik, wundere ich mich, dass 53 Prozent der europäischen Bevölkerung weiterhin den Eindruck haben sollen, in der repräsentativen Demokratie werde jedes Kuhdorf pingelig repräsentiert: die Mehrheit der Bevölkerung aber leider nicht.











