Silvana Direkt
20. Oktober 2009

Eine Frau, die vorausschaut

Sie beschäftigte sich mit Fischgründen – und bekam dafür als erste Frau den Nobelpreis für Wirtschaft. Klingt komisch, hängt aber mit dem Forschungsgebiet zusammen, dem Elinor Ostrom ihr Leben gewidmet hat. Ostrom, 76, beschäftigt sich mit sogenannten Allmendegütern und wie man diese am besten verteilen kann, ohne dass sie auf Dauer zerstört werden. Allmendegüter sind allgemein zugängliche Güter wie Fischgründe oder öffentlicher Straßenraum. Gestützt auf Fallstudien aus aller Welt hat die resolute Amerikanerin gezeigt, wie die Nutzer Regeln für eine nachhaltige Bewirtschaftung finden können. Dafür hat sie jetzt den Nobelpreis bekommen. Zurecht, denn umkämpfte Güter wird es in Zukunft immer mehr geben, man denke nur an Wasser.

Das Nobelpreiskomitee hat übrigens bestritten, dass es sich um eine Quotenentscheidung für die erste Frau als Preisträgern des Wirtschaftsnobelpreises gehandelt habe. “Wir dürfen da nicht taktisch denken: Ob Frau, Mann, Amerikaner, Nichtamerikaner, Rechte, Linke. Ostrom hat den Nobelpreis nicht wegen ihres Geschlechts bekommen, sondern ausschließlich für Verdienste um die Forschung”, so Komiteemitglied Mats Persson. Und so steht die diesjährige Nobelpreisvergabe nicht nur für einen großartigen, zukunftsweisenden wissenschaftlichen Erfolg, sondern auch für eine Entideoligisierung (Angebots oder Nachfragetheorie) und eine Abkehr von der Theorie. Männer, die vom Schreibtisch aus die Welt erklärten, gab’s lange genug. Ostrom ist für ihre Forschung zu Fischern gegangen.

Mir gefällt der Gedanke, dass irgendwo ein Mädchen sitzt, das jetzt noch nicht weiß, dass es vielleicht in 20 Jahren den Wirtschaftsnobelpreis bekommen kann. Und dass sich auf den Weg macht. Wegen einer Frau, die zu den Fischen ging um den Menschen zu helfen