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“Viele meinen, Politiker seien kompetent und unfähig zugleich”
Brüssel/Hamburg, den 26.08.2014 – Von Stefanie Bilen
Stiftungsgründerin bin ich, weil…

Silvana Koch-Mehrin: …ich davon überzeugt bin, dass politische Entscheidungen besser sind, wenn sie gleichberechtigt getroffen werden. Derzeit gibt es weltweit nur etwa 9.000 weibliche Abgeordnete, das sind gerade mal 20 Prozent. Weibliche Regierungschefs oder Ministerinnen gibt es kaum. Ein globales Netzwerk von Parlamentarierinnen kann das ändern. 

Früher dachte ich, ich würde…
nie länger als vier Jahre an einem Ort leben. Jetzt bin ich schon seit 17 Jahren in Brüssel sesshaft, weil es ein guter Kompromiss für meinen irischen Mann und mich ist.  

Mein Tag beginnt…

gegen 6 Uhr, bevor meine drei Kinder wach werden. Ich liebe diese Zeit alleine mit einer Tasse Kaffee und kann mich auf den Tag vorbereiten.

Manchmal fühle ich mich überfordert…
wenn vorausgesetzt wird, dass Frauen von Natur aus super-multitasking-fähig seien und 20 verschiedene Dinge gleichzeitig erledigen können: das spezielle Sandwich für einen Schulausflug der Kinder zubereiten, ihre Abholung am Nachmittag organisieren, Meetings, Telefonkonferenzen, Unterlagen lesen, Geschäftsreisen vorbereiten etc. Auch mit Unterstützung zu Hause – es ist gelegentlich eine logistische Meisterleistung.  

Die Frauen-Quote für deutsche Aufsichtsräte ist…
überfällig! Ohne diesen Druck kommen Veränderungen für mehr Gleichberechtigung und besseren Wettbewerb viel zu langsam in Gang. 

Angela Merkel kann…

alles, was sie sich vorgenommen hat – und sie schafft es dabei nach wie vor, dass man sie unterschätzt.

Die Arbeit von Politikern wird von der Öffentlichkeit…
ambivalent wahrgenommen. Einerseits wird ihnen die Kompetenz zugewiesen, wichtige Aufgaben zu übernehmen, andererseits wird häufig geäußert, dass die meisten Politiker nichts könnten. Mit der Zuschreibung der Expertise ist es wohl ähnlich wie bei der Fußball-Nationalmannschaft: Dort sind die Zuschauer auch oft die besseren Spieler. 

 

Wenn ich ein Vorbild nennen müsste…
wäre es Simone Veil, französische Politikerin und erste Frau im Präsidentenamt des Europäischen Parlaments. Sie ist Auschwitz-Überlebende, Feministin und hat unter anderem die Legalisierung des Schwangerschaftsabbruches in Frankreich gesetzlich geregelt.

Medien sind…
wichtige Beobachter, Bewerter und Kontrolleure dessen, was in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft passiert. Journalisten haben eine große Verantwortung, ein schlechtes Image und werden häufig zu schlecht bezahlt. Zwar gibt es Medien, die ihre Verantwortung nicht ausreichend wahrnehmen – und das nimmt wahrscheinlich noch zu durch den wirtschaftlichen Druck und den Wettbewerb um Klicks in Online-Medien. Allerdings finde ich generelle Medienschelte nicht angebracht, auch wenn es bestimmt niemand gibt, der es mag, wenn abfällig über die eigene Organisation oder sich selbst berichtet wird. Das gehört aber dazu, wenn man eine öffentliche Person ist.

Am liebsten lese ich…
Brüsseler Lokalnachrichten, damit ich weiß, wo die nächste Baustelle ist. Ansonsten schätze ich Online-Medien sehr, weil ich sie überall konsumieren kann. Neben Spiegel Online, Le Monde, BBC und New York Times lese ich regelmäßig die Financial Times, weil sie als einzige Zeitung eine ausführliche EU-Berichterstattung bietet.